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Modell- und Demonstrationsvorhaben ToGeP

Reduktion des Torfeinsatzes bei der Anzucht von Gemüsejungpflanzen

Torf, der bisher wichtigste Bestandteil moderner Substrate, ist eine begrenzte, fossile Ressource, deren Abbau und Nutzung große Mengen CO2 freisetzt. Anders als in Deutschland, wo die Torfgewinnung nur auf bereits entwässerten, landwirtschaftlich genutzten Flächen erlaubt ist, erfolgt der Abbau in anderen Ländern auch in naturnahen, ökologisch wertvollen Moorgebieten, die dadurch erheblich geschädigt werden. Gleichzeitig steigt die weltweite Substratnachfrage durch eine wachsende Weltbevölkerung und den zunehmenden Wohlstand immer weiter an. Torfersatz schont die Umwelt und leistet einen Beitrag zur Versorgungssicherheit, stellt die Produktion von Gemüsejungpflanzen aber vor große Herausforderungen. Hier setzt das Verbundprojekt ToGeP Im Rahmen der › Torfminderungsstrategie der Bundesregierung an. Zusammen mit fünf Modell-Betrieben im Süden und Südwesten Deutschlands wird eine Reduktion des Torfaufwands je Einzelpflanze um 50% im Vergleich zu reinen Torfsubstraten in bisherigen Anzuchtsystem angestrebt.

Anzuchtsysteme

Die beiden zentralen Anzuchtsysteme sind Erdpresstöpfe aus gepresstem Schwarztorf (und zunehmend Torfersatzstoffen) sowie Trays. Dies sind Kunststoffplatten mit kleinen Anzuchtzellen, die weniger Substrat je Einzelpflanze benötigen. Der feste Ballen wird in diesem Fall durch die Wurzel gebildet, was in Verbindung mit dem engeren Stand der Pflanzen die Kulturzeit verlängert. Jedoch sind nicht alle Gemüsearten für diese Anzuchtform geeignet.

 

links: frisch gepresster Erdpresstopf, rechts: Salatjungpflanzen im Erdpresstopf

 

links: Im Tray kultivierte Kohlrabijungpflanze, rechts: Tray mit Kohlrabijungpflanzen

Herausforderungen

Kurze Kulturzeit

Gemüsejungpflanzen werden „just in time“ produziert. Zum Liefertermin dürfen sie weder zu groß noch zu klein sein und müssen allen Qualitätsansprüchen genügen. Von der Aussaat bis zur fertigen Jungpflanze vergehen im Sommer teilweise lediglich zwei Wochen. Kulturfehler führen zu Entwicklungsverzögerungen, die in der kurzen Kulturzeit nur sehr schwer rechtzeitig erkannt und korrigiert werden können.

Bewässerung

Das kleine Substratvolumen je Jungpflanze kann nur wenig Wasser speichern. Trotzdem sind Jungpflanzen auf eine optimale Wasserversorgung angewiesen. In empfindlichen Wachstumsphasen, kann kurzeitiger Wassermangel bereits große Schäden verursachen. Gängige Torfersatzstoffe besitzen eine geringere Wasserhaltekapazität als Torf. Wird ihr Anteil im Substrat erhöht, steigt der Anspruch an die Bewässerung. Gleiches gilt, wenn das Substratvolumen je Pflanze reduziert wird.

Pflanzenernährung

Das kleine Substratvolumen in Verbindung mit termingerechter Produktion und der kurzen Kulturzeit stellen hohe Ansprüche an die Pflanzenernährung. Es darf weder zu Mangel noch einer Überversorgung der Jungpflanzen kommen. Der biologisch inaktive und nährstoffarme Torf ist ein optimales Speichermedium, das sich gezielt düngen lässt und somit eine zuverlässige Pflanzenernährung ermöglicht. Gängige Torfersatzstoffe besitzen diese Eigenschaften nur bedingt.

Maschinelle Pflanzbarkeit

Gemüsepflanzen werden maschinell gepflanzt. Das setzt neben der richtigen Größe der Jungpflanze auch stabile und einheitliche Erdpresstöpfe/Trays voraus. Die Klebeeigenschaften von Schwarztorf sind für stabile Erdpresstöpfe bedeutend und fehlen bei gängigen Torfersatzstoffen. In Trays wird der feste Ballen in Kunststoffzellen durch die Wurzel gebildet. Die Pflanzen werden daraus mechanisch entnommen.

Spezialisierte Produktionsverfahren

Jungpflanzenbetriebe sind mit einem breiten Spektrum von Anzuchtsystemen, Produktionsverfahren und Schwerpunktkulturen hochspezialisiert.

Über Jahrzehnte wurden Produktionsprozesse auf Basis von Torfsubstrat entwickelt und optimiert. Gängige Torfersatzstoffe besitzen andere Eigenschaften als Torf. Ihr Einsatz erfordert daher betriebsspezifische Anpassungen im Produktionsablauf. Um die Risiken dabei möglichst gering zu halten, muss die Torfreduktion Schritt für Schritt erfolgen.

Kostendruck

Die Gemüseproduktion ist von einem harten Wettbewerb und einem starken Kostendruck geprägt, der Gemüsejungpflanzen mit einbezieht. Steigende Kosten lassen sich nur sehr bedingt an Kunden weitergeben. Nicht nur der Preis der Torfersatzstoffe selbst, sondern auch die Kosten, die durch Mehraufwand beim Einsatz von Torfersatzstoffen entstehen können, sind entscheidend für einen Einsatz in der Praxis.

Modellbetriebe (coming soon)

Vorgehen

Maßgeschneiderte Lösungen

Die deutsche Gemüsejungpflanzenproduktion ist geprägt von einer Vielfalt an Anzuchtsystemen, Produktionsverfahren und Schwerpunktkulturen. Da jeder Betrieb individuelle Rahmenbedingungen hat, sind betriebsspezifische Lösungen für die Produktion von torfreduzierten Gemüsejungpflanzen erforderlich.

Zwei Wege zur Torfreduktion

Um den Torfverbrauch zu senken sind zwei Wege denkbar, kleinere Substratvolumen und Torfersatz im Substrat. Eine Reduzierung des Substratvolumen um etwa 10 -15 % haben viele Jungpflanzenbetriebe bereits beim Erdpresstopf umgesetzt. Weiteren Reduktionsschritte sind enge Grenzen gesetzt. Deshalb kommen vor allem gängige Torfersatzstoffe zum Einsatz. In der Jungpflanzenproduktion sind das: Holzfasern, Grüngutkompost und Kokosmark, die sich jedoch in ihren Eigenschaften von Torf unterscheiden.

Schritt für Schritt

Um Risiken zu minimieren, testen die teilnehmenden Betriebe Reduktionsschritte zunächst in begrenztem Umfang. Über die Zusammensetzung der Substratmischung entscheiden die jeweiligen Betriebe zusammen mit ihrem Lieferanten. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Entscheidung ein, wie weit der Torfersatz in der gesamten Produktion gesteigert werden kann. Erweist sich die Torfreduktion auch hier als erfolgreich, kann der nächste Reduktionsschritt getestet werden.

Unsere Unterstützung

Dieser Umstellungsprozess wird von ToGeP fachlich begleitet und dokumentiert. Mit regelmäßigen Betriebsbesuchen wird die Produktion vom Substratbunker bis zur Auslieferung der Jungpflanzen verfolgt, auftretende Probleme werden erfasst und bei Bedarf Fachinformationen bereitgestellt. Als weitere Unterstützung erfolgen eine intensive Beprobung und Analytik der Substrate. Neben Laboranalysen zählt dazu auch die Anwendung eines neuen Schnelltestverfahrens, mit dem sich der Stickstoffgehalt im Substrat innerhalb weniger Minuten vor Ort bestimmen lässt.

Integrierte ökonomisch-ökologische Bewertung

Auf Basis von Betriebsbefragungen werden Daten zur aktuellen (Status Quo) und torfreduzierten Produktion von Gemüsejungpflanzen und deren Weiterkultur erhoben. Die Daten werden zu einem typischen Produktionssystem zusammengefasst und mit Expertinnen und Experten in Fokusgruppen diskutiert. Auf dieser Grundlage findet, im Sinne einer ganzheitlichen Systembetrachtung, eine integrierte ökonomisch-ökologische Bewertung statt, die die Nutzung torfreduzierter Kultursubstrate und torfsparender Anzuchtsysteme analysiert und bewertet. Hierdurch sollen etwaige Problemverschiebungen in der Wertschöpfungskette aufgedeckt und die ökonomische und ökologische Vorteilhaftigkeit der Torfminderung evaluiert werden.

Wissen teilen

Durch Fachpublikationen, Vorträge und Schulungen überträgt ToGeP die gewonnenen Erkenntnisse aktiv in die Praxis. Dieser Wissenstransfer unterstützt die gesamte Branche, die Torfreduktion flächendeckend voranzutreiben und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, Umweltschutz und zur Versorgungssicherheit zu leisten.

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Projektpartner

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Laboranalytik und Ansprechpartner für Projektbetriebe im Süden

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ökonomische Bewertung der Torfreduktion

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ökologische Bewertung der Torfreduktion

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Weitere Informationen zum Thema Torfersatz

Projekt FiniTo

Um die deutschen Gartenbaubetriebe bestmöglich bei der Reduktion des Torfersatzes zu unterstützen, wurde im Rahmen der Torfminderungsstrategie des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) das Projekt „Fachinformation für Gartenbaubetriebe zur Umstellung auf torffreie und torfreduzierte Kultursubstrate“, kurz FiniTo, ins Leben gerufen.

› zum Projekt FiniTo

 

 

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)

Die FNR ist vom BMLEH beauftragt, die Förderung von Forschungs-
und Entwicklungsvorhaben zur Torfminderung und zum oorbodenschutz, aber auch für Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Torfersatz im Hobby- und Friedhofsgartenbau sowie zum Moorbodenschutz als Projektträger zu betreuen. Mit einem YouTube-Kanal informiert die FNR zusätzlich Fachleute und Verbraucher über das Thema.

› zum Youtube-Kanal der FNR

Projektförderung

Projektlaufzeit: 11.2023-09.2027
Förderkennzeichen: 2222MT022A-D